Sonntag, 15. April 2012

Auf den Weiden des Grünhügels ~ Eine unvollendete Geschichte

                   Hinter dem Wäldchen
                                                 am kühlen Bach,
            der sich mit seinem gurgelnden und plätschernden Schlägen
                             einen Weg durchs Grün bahnte,
         gab es zwei Wiesen, die durch einen zweiteiligen Zaun getrennt waren.

Die Rechte dieser Wiesen bewohnte eine kleine Herde Schafe, auf der linken waren ein paar Pferde untergebracht. Unter diesen gab es einen wunderschönen schwarzen Herdenanführer.
Alle Stuten waren hingerissen von diesem stattlichen Rappen, seine Muskeln spannten sich unter glänzendem Fell, seine Augen strahlten in der Sonne wie Bergkristall und im Mondschein wie die Sterne am Himmel. Sie bewunderten ihn und wieherten verspielt hinter ihm her. Jede wollte um seine Gunst werben, aber er war es nur leid.
Dauernd diese dümmlichen Stuten, puppenhaft und nichts als Stroh im Kopf...
Deswegen hielt er sich gerne in der Nähe des Zauns am Bach auf, dort saß er und besah sein Spiegelbild in einer Ausbuchtung des Wasserlaufs.
An diesem Abend saß er wieder dort und spielte mit seiner Mähne um kleine Kräusel auf der Wasserfläche zu beobachten, wenn er sie durchs Wasser zog.

Die Schäfchen auf der anderen Seite aber hatten einen dunklen Schatten über sich. Der graue Fuchs vom Wald hatte sich der Dunkelheit der letzten Nacht bedient um den Hunger seiner Welpen zu stillen. Ein kleines Lamm, hatte seinen letzten Atemzug zwischen den Fängen des Fuchses getan. Nun trauerte die Herde um den furchtbaren Verlust und hatte sich zusammengekuschelt unter dem Abendhimmel versammelt um gemeinsam das Leid zu beklagen.
Ein kleines Schäfchen jedoch nicht, insgesamt hatte sie schon lange Zeit nicht mehr die Dinge der anderen teilen wollen, so auch nicht heute Abend. Die Kleine saß unter der Weide am Zaun, die mit langen Wurzeln durch die Erde und das Wasser gegraben hatte und es schien als wäre die Weide flüssig, wie grünes Wasser ergossen sich die Äste nach unten in den Bachlauf.
Das kleine Schaf trauerte um ihre längst vergangenen Träume und dann sang sie, so wunderschön, dass sogar die Nachtigall in der Weide verstummte und anfing zu lauschen.

Und die traurigen Klänge fanden sich auch bei dem Rappen wieder, der dort saß und träumte. Nun stellte er die Ohren auf, erhob sich und ging der süßen Melodie nach, bis er zur Weide kam, aber nichts anderes als deren breiten Stamm und lange Äste sah. Sonderbar, dachte er, seit welcher Zeit haben denn Weiden so vollendete Stimmen?
Also fragte er vorsichtig in den Wind hinein:

was ist dein Name, Engelszunge?

Da verstummte sie, erschrak fürchterlich und schwieg erst einmal, um dann mit Vorsicht um den Stamm herum zu schauen, wer da gerade gefragt hatte. Sie sah die große Gestalt im gebrochenen Sonnenlicht eines goldenen Abendscheins, die Mähne glitzerte violett und bewegte sich langsam in einer Brise, der Körper bestrahlt von den Reflexionen des Bachlaufs.
Nun wurde dem Schäfchen ganz warm im Gesicht, errötete unter ihrem weichen Fell und wandte den Blick wieder ab. Es war nicht möglich ihn mit solchen Augen zu betrachten. Sie war ganz durcheinander und vergaß beinahe zu antworten bis er die Frage noch einmal in den Wind hauchte, erst dann traute sie sich dieser wundervollen Stimmte zu antworten. Diese Stimme, die wie das gurgeln einer Bergquelle klang, wie fließendes frisches Bergwasser an den Hängen eines Tals.
Also flüsterte sie ihren Namen hinter dem Stamm hervor und über den Zaun zu ihm.

Wolkenfeder ~

Und so klang sein Name zurück, wie das Flüstern der Wiese im Wind, als er sich entschied dieses Silberglöckchen näher kennen zu lernen.

Nachtmähne ~

Es dauerte noch einige Momente, denn erst als schon die ersten Sterne dem Abendstern nacheiferten und den Himmel begrüßten, fingen die zwei an, miteinander zu sprechen. Die ganze Nacht konnte der Mond ihnen lauschen und später nannten sie sich bei ihren Spitznamen, Federchen und Nacht.

                  Und so
                         verliebte sich das kleine Schäfchen
            in den schwarzen
                                       Hengst.


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